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Marktentwicklung: Jutegarn (CN 5307) — 2015–2025

Einführung

Der EU-Handel mit Jutegarn (CN 5307 — Garne aus Jute oder anderen textilen Bastfasern der Position 5303) hat sich im Zeitraum 2015–2025 grundlegend verändert. Sowohl Importe als auch Exporte sind in Volumen und Wert deutlich zurückgegangen, während sich die Handelspartnerstruktur, die Produktsegmentzusammensetzung und die Preisstrukturen teils erheblich verschoben haben. Der vorliegende Bericht analysiert die wichtigsten Trends auf Grundlage der verfügbaren Handelsdaten der EU mit Drittländern und interpretiert die zugrundeliegenden Marktdynamiken.

Die Produktdefinition umfasst sowohl ungezwirntes (CN 530710) als auch gezwirntes Garn (CN 530720) aus Jute und anderen Bastfasern der Position 5303.


1. Volumeneinbruch bei Importen und Exporten — steigende Preise als Kompensation

Die EU-Importe sind im untersuchten Zeitraum um mehr als die Hälfte eingebrochen

Die EU-Importe von Jutegarn verloren zwischen 2015 und 2025 erheblich an Volumen. Die eingeführten Mengen sanken von 24.067 t auf 10.744 t, was einem Rückgang von 55,4 % entspricht. Der Importwert fiel von 25,1 Mio. EUR auf 16,4 Mio. EUR (−34,7 %). Der Höchstwert wurde mit 32,5 Mio. EUR im Zeitraum 2021/2022 erreicht, was auf eine kurze Phase der Nachfrageerholung nach der Pandemie und gleichzeitig stark gestiegene Preise zurückzuführen ist.

Kennzahl 2015 2025 (letztes Jahr) Veränderung
Importvolumen (t) 24.067 10.744 −55,4 %
Importwert (EUR) 25.143.590 16.408.295 −34,7 %
Importpreis (EUR/t) 1.045 1.527 +46,2 %

Quelle: Gesamtübersicht Handel

Die Exporte entwickelten sich schwächer als erwartet

Auch die EU-Exporte von Jutegarn verloren deutlich: Der Wert sank von 3,6 Mio. EUR auf 2,3 Mio. EUR (−35,9 %), das Volumen von 2.135 t auf 1.689 t (−20,9 %). Bemerkenswert ist dabei, dass die Exportpreise im Durchschnitt von 1.699 EUR/t auf 1.377 EUR/t (−19,0 %) fielen — ein gegenläufiger Trend zu den Importpreisen. Dies liegt an der Verschiebung der Exportproduktstruktur, auf die in Abschnitt 3 eingegangen wird.

Die Handelsbilanz blieb durchgehend negativ, verbesserte sich aber

Die EU verzeichnete im gesamten Zeitraum ein konstantes Handelsdefizit bei Jutegarn. Dieses verbesserte sich jedoch von −21,5 Mio. EUR (2015) auf −14,1 Mio. EUR (2025), was einer Verringerung von 34,5 % entspricht. Der niedrigste Defizitwert wurde im letzten Berichtsjahr erreicht.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Handelsbilanz (EUR) −21.515.624 −14.082.786 +34,5 % (Verbesserung)
Netto-Importabhängigkeit (%) 51,0 % 24,3 % −52,2 %

Quelle: Netto-Importabhängigkeit

Die Netto-Importabhängigkeit sank von rund 51 % auf unter 25 %. Dies deutet auf eine zunehmende Eigenversorgung der EU mit Jutegarn hin — ein Trend, der durch den Anstieg der inländischen PRODCOM-Produktion (von ca. 14.744 t auf 23.000 t, +56,0 %) gestützt wird. Allerdings sank der Produktionswert im gleichen Zeitraum von 56,0 Mio. EUR auf 48,0 Mio. EUR (−14,2 %), was auf sinkende Produktionspreise hindeutet.


2. Geopolitische Umwälzungen prägen die Handelspartnerstruktur

Bangladesch blieb der dominierende Importeur, verlor aber erheblich an Anteil

Bangladesch war durchgehend der wichtigste Lieferant von Jutegarn an die EU. Der Importwert sank jedoch von 19,2 Mio. EUR auf 10,1 Mio. EUR (−47,3 %). Auch Indien als zweitwichtigster Partner verlor an Bedeutung (von 4,7 Mio. EUR auf 3,7 Mio. EUR, −21,5 %). Der Herkunfts-HHI (Wertbasis) für Importe fiel von 6.220 auf 4.537 (−27,1 %), was auf eine Diversifizierung der Importquellen hindeutet.

Importpartner 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Bangladesch 19.248.342 10.136.489 −47,3 %
Indien 4.690.934 3.682.464 −21,5 %
China 398.738 2.404.191 +503,0 %
Türkei 393.369 84.635 −78,5 %
Vereinigtes Königreich 371.162 10.622 −97,1 %

Quelle: Top-Handelspartner

China wurde zum drittwichtigsten Importpartner — ein bemerkenswerter Aufstieg

Der stärkste prozentuale Anstieg unter den Importpartnern verzeichnete China: Die Importe stiegen von 398.738 EUR auf 2,4 Mio. EUR (+503,0 %). Im Zeitraum 2020–2022 erreichten die Importe aus China mit bis zu 4,0 Mio. EUR ihren Höchststand. Dies spiegelt die zunehmende Diversifizierung der EU-Importquellen wider, die möglicherweise auch durch pandemiebedingte Lieferengpässe in Südostasien begünstigt wurde.

Russland als Exportmarkt brach nach 2022 vollständig zusammen

Der dramatischste Wandel ereignete sich bei den EU-Exporten. Russland war 2015 mit 1,97 Mio. EUR der mit Abstand wichtigste Exportmarkt der EU für Jutegarn. Nach 2022 — dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine — brachen die Exporte nach Russland auf 1.784 EUR ein (−99,9 %). Ähnliche, wenn auch weniger extreme Rückgänge zeigten sich bei Belarus (−78,3 %) und Serbien (−93,4 %).

Exportpartner 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Ukraine 12.914 1.208.702 +9.260 %
Russland 1.973.208 1.784 −99,9 %
Belarus 177.894 38.600 −78,3 %
Türkei 258.848 334.895 +29,4 %
Marokko 130.155 168.455 +29,4 %

Quelle: Top-Handelspartner (Exporte)

Ukraine wurde 2021 zum größten Exportmarkt — ein Schock mit Vorlauf

Bereits 2021 — also noch vor dem vollständigen Zusammenbruch des Russland-Handels — stiegen die EU-Exporte in die Ukraine sprunghaft an. Die Daten zeigen einen Preisschock bei Exporten in die Ukraine im Jahr 2021 mit einer Abnormalität von 50,4 und einem Anstieg von 2.160,6 %. Dies deutet auf eine Umleitung von Handelsströmen hin, die möglicherweise mit der Eskalation geopolitischer Spannungen zusammenhängt.

Belgien blieb der wichtigste EU-Importeur und -Exporteur, verlor aber stark an Gewicht

Innerhalb der EU war Belgien der mit Abstand größte Importeur von Jutegarn (14,6 Mio. EUR in 2015, 5,8 Mio. EUR in 2025, −60,5 %) und auch der größte Exporteur (3,0 Mio. EUR auf 1,8 Mio. EUR, −40,2 %). Der Spezialisierungsindikator (RSCA) bestätigt Belgiens herausragende Rolle mit einem RSCA von 0,51 und einem RCA von 3,08 im Jahr 2025. Die Niederlande entwickelten sich als zweitstärkster Spezialist (RSCA 0,46), wobei die Importe dort sogar um 93,2 % stiegen.

EU-Mitgliedstaat Importe 2015 (EUR) Importe 2025 (EUR) Veränderung
Belgien 14.645.879 5.782.159 −60,5 %
Spanien 4.161.131 2.119.179 −49,1 %
Deutschland 1.211.152 1.424.247 +17,6 %
Niederlande 1.178.433 2.276.197 +93,2 %
Polen 827.164 1.244.853 +50,5 %

Quelle: EU-Reporter nach Importwert


3. Struktureller Wandel im Produktsegment: Gezwirntes Garn verliert, Ungezwirntes gewinnt

Die Importe von gezwirntem Garn (CN 530720) brachen stärker ein als jene von ungezwirntem Garn

Die Segmentaufschlüsselung zeigt einen deutlichen Strukturwandel. Gezwirntes Garn (CN 530720) dominierte die Importe mit 17.520 t im Jahr 2015, sank aber auf nur noch 6.080 t im Jahr 2025 (−65,3 %). Ungezwirntes Garn (CN 530710) verlor dagegen nur 28,8 % seines Volumens (von 6.547 t auf 4.664 t).

Segment Importe Menge 2015 (t) Importe Menge 2025 (t) Veränderung
530720 — gezwirnt 17.520 6.080 −65,3 %
530710 — ungezwirnt 6.547 4.664 −28,8 %

Die Importpreise stiegen in beiden Segmenten, am stärksten bei gezwirntem Garn

Die Importpreise für gezwirntes Garn verdreifachten sich nahezu: von 1.016 EUR/t (2015) auf 1.698 EUR/t (2025), mit einem Spitzenwert von 2.257 EUR/t im Jahr 2022. Die Preise für ungezwirntes Garn stiegen moderater von 1.122 EUR/t auf 1.304 EUR/t. Der Preisanstieg bei gezwirntem Garn spiegelt möglicherweise steigende Energie- und Verarbeitungskosten wider, da das Zwirnen ein energieintensiver Verarbeitungsschritt ist.

Bei den Exporten vollzog sich ein dramatischer Produktmix-Wandel

Besonders auffällig ist die Verschiebung bei den Exporten. Gezwirntes Garn (CN 530720) war 2015 mit 1.840 t das dominierende Exportsegment; 2025 betrug das Volumen nur noch 350 t (−81,0 %). Gleichzeitig stiegen die Exporte von ungezwirntem Garn (CN 530710) von 295 t auf 1.339 t (+353,6 %). Die EU exportierte 2025 also fast viermal so viel ungezwirntes Garn wie noch 2015.

Segment Exporte Menge 2015 (t) Exporte Menge 2025 (t) Veränderung
530720 — gezwirnt 1.840 350 −81,0 %
530710 — ungezwirnt 295 1.339 +353,6 %

Die Exportpreise verliefen gegenläufig zu den Importpreisen

Während die Importpreise stiegen, sank der gewichtete durchschnittliche Exportpreis von 1.699 EUR/t auf 1.377 EUR/t (−19,0 %). Dies ist primär auf den Produktmix-Effekt zurückzuführen: Ungezwirntes Garn weist im Export tendenziell niedrigere Preise auf als gezwirntes Garn. Innerhalb der Segmente stiegen die Exportpreise für gezwirntes Garn von 1.171 EUR/t auf 2.037 EUR/t, sanken aber für ungezwirntes Garn von 4.966 EUR/t auf 1.204 EUR/t — wobei der hohe Ausgangswert 2015 bei 530710-Exporten wahrscheinlich auf eine sehr kleine, hochwertige Nische zurückzuführen ist.

Die EU-Produktion stieg mengenmäßig, fiel aber wertmäßig

Die PRODCOM-Produktionsdaten bestätigen den Trend zur Eigenversorgung: Die Produktionsmenge stieg von ca. 14.744 t auf 23.000 t (+56,0 %), während der Produktionswert von 56,0 Mio. EUR auf 48,0 Mio. EUR sank (−14,2 %). Dies impliziert sinkende inländische Produktionspreise und deutet auf einen verstärkten Wettbewerbsdruck im europäischen Markt hin.


Fazit

Der EU-Markt für Jutegarn (CN 5307) durchlebte zwischen 2015 und 2025 einen tiefgreifenden Strukturwandel. Die zentralen Erkenntnisse sind:

  1. Rückläufiges Handelsvolumen bei steigenden Preisen: Sowohl Import- als auch Exportvolumina sind erheblich gesunken, wobei die Importpreise um 46 % stiegen und die Exportpreise um 19 % fielen. Die EU hat ihre Netto-Importabhängigkeit von 51 % auf unter 25 % halbiert, gestützt durch eine wachsende inländische Produktion.

  2. Geopolitische Umwälzungen: Der Zusammenbruch des Exportmarktes Russland (−99,9 %) nach 2022 und der gleichzeitige Aufstieg der Ukraine zum wichtigsten Exportmarkt (+9.260 %) spiegeln die geopolitischen Verwerfungen wider. Auf der Importseite gewann China an Bedeutung (+503 %), während Bangladesch und die Türkei an Boden verloren.

  3. Produktsegment-Verschiebung: Die Exporte verlagerten sich massiv vom gezwirnten zum ungezwirnten Garn, was den Gesamtdurchschnittspreis drückte. Bei den Importen sank der Anteil des gezwirnten Garns ebenfalls überproportional, hier stiegen jedoch die Preise beider Segmente.

Insgesamt zeigt sich ein Markt im Umbruch: Die EU reduziert ihre Abhängigkeit von Jutegarn-Importen, diversifiziert ihre Lieferanten und passt ihre Exportstrategie an die veränderte geopolitische Lage an — wenngleich das Gesamtvolumen des Handels deutlich geschrumpft ist.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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