Marktentwicklung: Geräte und Ausrüstungsgegenstände für die allgemeine körperliche Ertüchtigung, Gymnastik oder Leicht- und Schwerathletik (CN 950691) — 2015–2025
Einführung
Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der EU für Waren des Zollcodes 950691 — Geräte und Ausrüstungsgegenstände für die allgemeine körperliche Ertüchtigung, Gymnastik oder Leicht- und Schwerathletik — im Zeitraum 2015 bis 2025. Die untersuchte Produktgruppe umfasst unter anderem Fitnessgeräte, Krafttrainingsmaschinen, Turngeräte und sonstige Sportausrüstung und wird in zwei Unterpositionen gegliedert: Übungsgeräte mit Systemen zum Einstellen unterschiedlicher Belastungen (95069110) sowie sonstige Geräte für körperliche Ertüchtigung und Athletik (95069190). Die EU fungiert bei diesem Produkt als Nettoimporteur — ein Strukturmerkmal, das sich im betrachteten Zeitraum vertieft hat.
1. Strukturelles Wachstum und pandemiebedingter Nachfrageschub
Der Markt wuchs zwischen 2015 und 2025 nahezu kontinuierlich
Die EU-Importe stiegen von 1,19 Mrd. EUR im Jahr 2015 auf 2,25 Mrd. EUR im Jahr 2025 — ein Plus von 89,1 %. Auch die Exporte verzeichneten ein deutliches Wachstum von 475 Mio. EUR auf 885 Mio. EUR (+86,2 %). Die Handelsbilanz blieb über den gesamten Zeitraum negativ und verschärfte sich von −715 Mio. EUR auf −1,37 Mrd. EUR.
| Kennzahl | 2015 | 2019 | 2021 (Peak) | 2025 |
|---|---|---|---|---|
| EU-Importe (Mrd. EUR) | 1,19 | 1,41 | 2,93 | 2,25 |
| EU-Exporte (Mrd. EUR) | 0,48 | 0,75 | 0,84 | 0,89 |
| Handelsbilanz (Mrd. EUR) | −0,72 | −0,66 | −2,09 | −1,37 |
| Importmenge (t) | 353.082 | 422.002 | 929.591 | 705.743 |
| Exportmenge (t) | 53.663 | 79.254 | 84.805 | 75.902 |
COVID-19 löste 2020/2021 einen historischen Nachfrageschub aus
Das Jahr 2021 markiert mit Importen von 2,93 Mrd. EUR und einer Importmenge von fast 930.000 Tonnen den absoluten Höchstwert im gesamten Betrachtungszeitraum. Die geschlossenen Fitnessstudios und die veränderte Freizeitgestaltung während der Pandemie führten zu einer massiven Nachfrage nach Heimfitnessgeräten. Der Importwert verdoppelte sich im Vergleich zu 2019 nahezu, die Menge mehr als verdoppelt. Die EU-Inlandsproduktion stieg ebenfalls stark an: von 865 Mio. EUR (2019) auf 925 Mio. EUR (2021).
Nach dem Pandemiehoch folgte eine Konsolidierung, aber kein Rückgang auf Vor-Corona-Niveau
Ab 2022 normalisierte sich die Nachfrage — die Importe sanken auf 1,86 Mrd. EUR, erholten sich aber 2024/2025 wieder auf über 2,2 Mrd. EUR. Die Jahre 2022–2023 können als Übergangsphase interpretiert werden: Bestände aus der Pandemiezeit wurden aufgebraucht, bevor eine neue Wachstumsphase einsetzte. Die EU-Produktion erreichte 2024 mit 1,10 Mrd. EUR einen neuen Höchststand.
Handelsentwicklung im Zeitverlauf
2. Wachsende Importabhängigkeit und zunehmende Konzentration auf China
China dominiert die EU-Importe und verstärkt seine Marktstellung
China war 2015 mit 781 Mio. EUR (65,6 % Anteil) der mit Abstand wichtigste Importpartner der EU. Bis 2025 stiegen die Importe aus China auf 1,80 Mrd. EUR (+129,7 %), wobei der Spitzenwert 2021 mit 2,41 Mrd. EUR erreicht wurde. Chinas Anteil an den gesamten EU-Importen blieb über den gesamten Zeitraum dominant und erreichte 2021 mit ca. 82 % einen historischen Höchstwert.
| Importpartner | 2015 (Mio. EUR) | 2021 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung 2015–2025 |
|---|---|---|---|---|
| China | 781 | 2.407 | 1.795 | +129,7 % |
| Taiwan | 152 | 216 | 102 | −32,6 % |
| USA | 136 | 128 | 164 | +20,6 % |
| Vereinigtes Königreich | 70 | 64 | 51 | −26,9 % |
| Vietnam | 5 | 27 | 26 | +418,5 % |
| Pakistan | 6 | 13 | 12 | +102,0 % |
| Türkei | 6 | 6 | 16 | +185,2 % |
Der Herfindahl-Hirschman-Index zeigt eine deutlich höhere Importkonzentration
Der HHI-Wert für EU-Importe stieg von 4.638 (2015) auf 6.499 (2025) — ein Anstieg um 40,1 %. Damit hat sich die Abhängigkeit von wenigen Lieferländern, insbesondere China, im Zeitverlauf noch verstärkt. Die COVID-Pandemie hat diesen Effekt zusätzlich befeuert: Der HHI erreichte 2021 mit 6.839 seinen Höchststand.
Neue Lieferanten aus Asien und Osteuropa gewinnen an Bedeutung
Vietnam (+418,5 %), die Türkei (+185,2 %) und Pakistan (+102,0 %) haben ihre Exporte in die EU im Betrachtungszeitraum stark ausgebaut. Vietnam stieg 2021 mit 27 Mio. EUR unter die Top-7-Importpartner auf. Bosnien und Herzegovina (Importe: 159 → 694 t) und Tunesien (6 → 1.357 t) sind weitere Länder mit starkem Mengenwachstum. Diese Entwicklung könnte auf eine beginnende Diversifizierung der Lieferketten hindeuten — auch wenn China weiterhin klar dominiert.
Konzentration der Handelsströme
3. Binnenproduktion und Exportentwicklung innerhalb der EU
Die EU-Inlandsproduktion stieg überproportional, bleibt aber hinter dem Importwachstum zurück
Der Produktionswert der EU wuchs von 607 Mio. EUR (2015) auf 1.084 Mio. EUR (2025), was einem Plus von 74,6 % entspricht. Im Vergleich dazu stiegen die Importe um 89,1 %. Die Nettostandardimportabhängigkeit erhöhte sich von 34,5 % (2015) auf 47,9 % (2025), mit einem dramatischen Spitzenwert von 69,3 % im Jahr 2021.
Italien und Deutschland sind die führenden EU-Exporteure
| EU-Exporter | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Italien | 144 | 260 | +80,7 % |
| Deutschland | 99 | 164 | +66,5 % |
| Niederlande | 51 | 82 | +62,2 % |
| Ungarn | 44 | 61 | +40,3 % |
| Schweden | 24 | 58 | +139,9 % |
| Frankreich | 18 | 30 | +63,8 % |
| Bulgarien | 3 | 37 | +1.110,8 % |
Italien ist sowohl der größte EU-Exporteur als auch das am stärksten spezialisierte große Land (RSCA: 0,012). Die Niederlande weisen die höchste Spezialisierung aller großen EU-Staaten auf (RSCA: 0,303; RCA: 1,87). Bulgarien hat seinen Exportanteil im Betrachtungszeitraum verzehnfacht — von einem niedrigen Ausgangsniveau, was auf eine Neuspezialisierung oder den Aufbau neuer Produktionskapazitäten hindeuten könnte.
Der EU-Exportmarkt ist deutlich diversifizierter als der Importmarkt
Der HHI für Exporte sank von 845 (2015) auf 703 (2025), was einer Diversifizierung um 16,8 % entspricht. Die wichtigsten Exportziele sind das Vereinigtes Königreich (138 Mio. EUR), die USA (103 Mio. EUR), die Schweiz (109 Mio. EUR) und Norwegen (44 Mio. EUR). Auffällig ist der Zusammenbruch der Exporte nach Russland: von 2.120 Tonnen (2015) auf nur noch 107 Tonnen (2025) infolge der Sanktionen nach dem Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Die Produktaufspaltung zeigt unterschiedliche Dynamiken bei Übungsgeräten und sonstiger Ausrüstung
| Unterkategorie | Importwert 2015 | Importwert 2025 | Durchschnittspreis 2025 (EUR/t) |
|---|---|---|---|
| 95069110 — Übungsgeräte mit Belastungssystemen | 592 Mio. EUR | 1.072 Mio. EUR | 4.267 |
| 95069190 — Sonstige Geräte | 598 Mio. EUR | 1.175 Mio. EUR | 2.587 |
Beide Unterkategorien wachsen ähnlich stark, doch Übungsgeräte mit Belastungssystemen (z. B. Kraftstationen, verstellbare Hantelsysteme) werden im Schnitt zu deutlich höheren Preisen importiert und exportiert. Der Exportpreis für diese Kategorie lag 2025 bei 12.557 EUR/t — fast doppelt so hoch wie der Importpreis — was auf eine starke Wertschöpfungskette im Premiumsegment innerhalb der EU hinweist.
Spezialisierung der EU-Mitgliedstaaten
Fazit
Der EU-Markt für Fitness- und Sportgeräte (CN 950691) hat sich zwischen 2015 und 2025 von einem stark wachsenden, aber noch moderat konzentrierten Markt zu einer Volkswirtschaft entwickelt, die in hohem Maße von chinesischen Importen abhängig ist. Die COVID-19-Pandemie wirkte als Katalysator: Sie beschleunigte nicht nur die Nachfrage nach Heimfitnessgeräten, sondern verstärkte auch die Abhängigkeit von wenigen Lieferanten — der HHI für Importe stieg um 40 %.
Gleichzeitig zeigt die EU-Inlandsproduktion eine positive Dynamik: Der Produktionswert stieg um 74,6 %, und die Exporte diversifizierten sich stärker als die Importe. Italien und Deutschland dominieren die europäische Exportlandschaft, wobei kleinere Volkswirtschaften wie Bulgarien und Schweden bemerkenswert stark wuchsen. Der russische Markt brach ab 2022 vollständig weg — eine direkte Folge geopolitische Ereignisse.
Die zentrale Herausforderung für den EU-Binnenmarkt bleibt die Importabhängigkeit: Mit einer Nettostandardimportabhängigkeit von nahezu 48 % und einem stark konzentrierten Lieferantenportfolio ist der Sektor anfällig für Lieferunterbrechungen, Handelskonflikte und Preisschwankungen. Die jüngsten Signale einer Diversifizierung — insbesondere das Wachstum von Lieferanten in Vietnam, der Türkei und Pakistan — deuten auf erste, wenn auch bisher begrenzte, Anpassungsstrategien hin.