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Marktentwicklung: Festnetztelefone (CN 851718) — 2015–2025

Einleitung

Der Zollcode 851718 erfasst Festnetztelefone – also Telefone, die weder schnurlose Hörer noch Mobilfunkfunktionen aufweisen – und bildet damit ein traditionelles Marktsegment innerhalb der Telekommunikationsausrüstung. Der vorliegende Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit Drittländern im Zeitraum 2015 bis 2025. Die Daten zeigen einen tiefgreifenden Strukturwandel: Die EU hat sich von einem ausgeglichenen Handelspartner zu einem starken Nettoimporteur entwickelt, während sich die geopolitischen Handelsbeziehungen – insbesondere durch den Brexit und die Sanktionen gegen Russland – grundlegend neu konfiguriert haben. Gleichzeitig sind die Handelsvolumina in beide Richtungen erheblich geschrumpft, was den technologischen Bedeutungsverlust dieses Produktsegments widerspiegelt.

Überblick und Handelsdaten


I. Schrumpfende Märkte: Der dramatische Rückgang von Importen und Exporten

Die Handelsvolumina sind in beiden Richtungen drastisch gesunken

Der auffälligste Befund der Analyse ist der signifikante Rückgang sowohl der Ausfuhren als auch der Einfuhren über den gesamten Betrachtungszeitraum. Die Exporte der EU an Drittländer sind von 516 Mio. EUR (2015) auf 174 Mio. EUR (2025) gefallen, was einem Rückgang von 66,3 % entspricht. Die Importe sanken im gleichen Zeitraum von 516 Mio. EUR auf 320 Mio. EUR (−38,1 %). Damit fällt der Exportrückgang deutlich stärker aus als der Importrückgang.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (EUR) 516.455.581 174.248.397 −66,3 %
Importwert (EUR) 516.190.892 319.684.528 −38,1 %
Exportmenge (t) 4.539 1.385 −69,5 %
Importmenge (t) 9.633 4.393 −54,4 %

Handelsübersicht

Die EU wandelte sich vom ausgeglichenen Handelspartner zum Nettoimporteur

Zu Beginn des Betrachtungszeitraums war die Handelsbilanz nahezu ausgeglichen: Exporte und Importe lagen jeweils bei rund 516 Mio. EUR. Bis 2025 hat sich ein Defizit von −145 Mio. EUR aufgebaut. Der Indikator der Nettoimportabhängigkeit bestätigt diese Entwicklung eindrücklich: Er stieg von −10,9 % (2015, also leichte Nettoexportabhängigkeit) auf 63,4 % (2025), was einer Veränderung von +684 % entspricht. Die EU ist damit heute in hohem Maße auf Importe von Festnetztelefonen angewiesen.

Die Preisentwicklung verläuft gegenläufig zur Mengenentwicklung

Während die physischen Handelsvolumina geschrumpft sind, sind die durchschnittlichen Exportpreise von 113.764 EUR/t auf 125.754 EUR/t gestiegen (+10,5 %). Noch deutlicher fällt der Importpreisanstieg aus: von 53.580 EUR/t auf 72.764 EUR/t (+35,8 %). Dies deutet darauf hin, dass das verbleibende Handelsvolumen zunehmend in höherwertige Produkte verlagert wird – ein Muster, das typisch für schrumpfende Märkte ist, in denen Standardprodukte lokal substituiert werden und nur noch Spezialgeräte den grenzüberschreitenden Handel bestimmen.

Die Produktion innerhalb der EU zeigt ein gemischtes Bild

Die Produktionsmengen sind im Zeitraum um 28,2 % gestiegen (von 4,37 Mio. Stück auf 5,60 Mio. Stück), doch der Produktionswert sank um 7,5 % (von 227 Mio. EUR auf 210 Mio. EUR). Dies impliziert einen erheblichen Rückgang der Wertschöpfung pro produzierter Einheit und legt nahe, dass die EU-Produktion verstärkt auf kostengünstigere Produktsegmente ausweicht.


II. Geopolitische Umbrüche: Neuordnung der Handelspartnerstruktur

Der Brexit hat die Handelsbeziehungen mit dem Vereinigten Königreich nachhaltig zerstört

Die mit Abstand gravierendste Veränderung in der Partnerstruktur betrifft das Vereinigte Königreich. Vor dem Brexit war es der wichtigste Exportpartner der EU (213 Mio. EUR in 2015) und der zweitwichtigste Importpartner (141 Mio. EUR). Bis 2025 sind die Exporte dorthin um 87,2 % auf 27 Mio. EUR gefallen, die Importe sogar um 90,4 % auf 14 Mio. EUR. Die Volatilitätsanalyse bestätigt die Instabilität dieser Beziehung mit einem Variationskoeffizienten von 0,91 bei Importen. Der Austritt des Vereinigten Königreichs aus dem EU-Binnenmarkt hat die zuvor reibungslosen Handelsströme praktisch zum Erliegen gebracht.

Partnerland Exporte 2015 Exporte 2025 Veränderung
Vereinigtes Königreich 213.369.346 27.266.068 −87,2 %
Vereinigte Staaten 41.277.249 10.542.875 −74,5 %
VAE 70.877.064 10.187.545 −85,6 %
Hongkong 14.847.562 2.229.920 −85,0 %
Schweiz 23.241.488 21.549.007 −7,3 %
Russische Föderation 17.410.512 79 −100,0 %

Exportpartner nach Werten

Die Exporte nach Russland sind vollständig zum Erliegen gekommen

Die Exporte in die Russische Föderation sanken von 17,4 Mio. EUR (2015) auf praktisch null im Jahr 2025. Diese Entwicklung – ein Rückgang von 100 % – ist klar auf die nach 2022 verhängten Sanktionen im Kontext des Ukraine-Krieges zurückzuführen. Die Schwellenanalyse bestätigt, dass geopolitische Ereignisse in diesem Marktsegment gravierende Handelsschocks auslösen können.

China dominiert die Importe weiterhin, doch Hongkong und Thailand sind als Umschlagplätze zusammengebrochen

China blieb über den gesamten Zeitraum der mit Abstand wichtigste Importpartner der EU. Die Importe aus China sanken nur leicht um 6,1 % von 222 Mio. EUR auf 209 Mio. EUR. Der Volatilitätskoeffizient von lediglich 0,28 zeigt eine bemerkenswerte Stabilität dieser Handelsbeziehung.

Demgegenüber brachen die Importe aus traditionellen Umschlag- und Fertigungsplätzen in Südostasien dramatisch ein:

Partnerland Importe 2015 Importe 2025 Veränderung
China 222.175.351 208.528.125 −6,1 %
Vereinigtes Königreich 140.644.134 13.522.875 −90,4 %
Hongkong 83.259.015 1.257.927 −98,5 %
Thailand 20.521.593 2.429.349 −88,2 %
Malaysia 4.531.267 1.746.580 −61,5 %

Importpartner nach Werten

Der Kollaps der Importe über Hongkong (−98,5 %) spiegelt zum einen den Rückgang der globalen Nachfrage nach Festnetztelefonen wider, zum anderen die Verlagerung von Handelsströmen direkt nach China, da Hongkong als Handelsdrehscheibe an Bedeutung verliert. Die Importe aus Thailand sanken mit einem Variationskoeffizienten von 0,81 ebenfalls sehr volatil – ein Hinweis auf den Rückgang von Produktionsstandorten in der Region.

Die Schweiz ist der stabilste Exportpartner der EU

Unter den wichtigsten Exportpartnern weist die Schweiz mit einem Rückgang von nur 7,3 % (von 23,2 Mio. EUR auf 21,5 Mio. EUR) die mit Abstand größte Handelsstabilität auf (Variationskoeffizient: 0,23). Dies ist vermutlich auf die enge wirtschaftliche Integration der Schweiz in den europäischen Markt sowie auf die bestehenden bilateralen Handelsabkommen zurückzuführen.


III. Marktstrukturwandel: Konzentration, Spezialisierung und Handelsintensität

Die Importkonzentration nimmt zu, während sich Exporte diversifizieren

Ein bemerkenswerter struktureller Wandel zeigt sich in der Konzentration der Handelspartner. Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 2.891 auf 4.541 (+57,1 %), was auf eine zunehmende Konzentration der Importe auf wenige – insbesondere chinesische – Lieferanten hindeutet. Der HHI-Wert liegt damit deutlich über der Schwelle von 2.500, ab der die US-Wettbewerbsbehörden von einem „mäßig konzentrierten" Markt sprechen.

Konzentrationsmaß (HHI) 2015 2025 Veränderung
Importe (nach Wert) 2.891 4.541 +57,1 %
Exporte (nach Wert) 2.045 742 −63,7 %

Umgekehrt sind die Exporte deutlich diversifizierter geworden: Der Export-HHI fiel von 2.045 auf 742, was auf eine breitere Streuung der EU-Exporte über mehrere Zielländer hindeutet – auch wenn dies teilweise ein Artefakt des Zusammenbruchs der zuvor dominierenden Handelsbeziehungen (UK, Russland) ist.

Die Binnenmarkt-Spezialisierung zeigt ein deutliches Nord-Süd- und Ost-West-Muster

Die Spezialisierungsanalyse für das Jahr 2025 offenbart eine klare regionale Aufteilung innerhalb der EU:

Mitgliedstaat RSCA RCA Anteil an EU-Produktion
Lettland 0,55 3,48 1,2 %
Slowakei 0,54 3,39 7,2 %
Niederlande 0,35 2,06 29,9 %
Tschechien 0,34 2,04 9,8 %
Griechenland 0,30 1,86 1,3 %

Die Niederlande sind mit einem Produktionsanteil von fast 30 % der mit Abstand größte Hersteller innerhalb der EU und gleichzeitig der wichtigste Importeur (117 Mio. EUR in 2025). Die Importe der Niederlande sanken dabei nur um 29,6 % – deutlich weniger als bei anderen großen Mitgliedstaaten. Deutschland verlor hingegen seine Rolle als führender Exporteur: Die Exporte fielen um 74,6 % von 192 Mio. EUR auf 49 Mio. EUR.

Die Handelsintensität und Exportneigung sind erheblich gesunken

Der Indikator der Handelsintensität sank von 140,7 % auf 110,1 %, die Exportneigung sogar von 230,3 % auf 141,8 % (−38,5 %). Diese Kennzahlen belegen, dass die EU im Segment der Festnetztelefone zunehmend weniger in den internationalen Handel involviert ist. Die Exportneigung lag 2015 noch bei über 230 %, was bedeutete, dass die EU mehr als doppelt so viel exportierte wie ihr Produktionswert erwarten ließ – ein Zeichen für eine starke Handelsorientierung. Bis 2025 ist dieser Wert auf 142 % gefallen.

Einzelne Handelsschocks deuten auf geopolitische und saisonale Anfälligkeiten hin

Die Schockerkennung identifiziert drei bemerkenswerte Ereignisse: Bei den Exporten nach Brasilien wurde 2022 ein abnormaler Preisanstieg von 121 % mit einer Abnormalität von 39,0 festgestellt. Ebenso fielen die Exporte nach Marokko 2017 mit einem Preisanstieg von 680 % auf – hier dürfte es sich um einen Engpass oder eine Verlagerung der Lieferketten handeln. Die Exporte in die Schweiz zeigten 2021 einen Preisanstieg von 75 %. Diese Ereignisse zeigen, dass selbst in einem schrumpfenden Marktsegment geopolitische und strukturelle Schocks erhebliche Preisausschläge verursachen können.


Schlussfolgerung

Die Marktentwicklung des Zollcodes 851718 im Zeitraum 2015–2025 ist durch drei zentrale Dynamiken geprägt:

  1. Strukturelle Schrumpfung: Sowohl Importe als auch Exporte sind erheblich zurückgegangen, wobei der Exportrückgang stärker ausfällt. Die EU hat sich von einem ausgeglichenen Handelsakteur zu einem Nettoimporteur mit einer Abhängigkeit von 63 % entwickelt. Dies spiegelt den technologischen Bedeutungsverlust klassischer Festnetztelefone gegenüber schnurlosen und mobilen Endgeräten wider.

  2. Geopolitische Neuordnung: Der Brexit und die Russland-Sanktionen haben zwei der wichtigsten Handelsbeziehungen der EU praktisch zum Erliegen gebracht. China hat seine Position als dominierender Importlieferant gefestigt, während die traditionellen Handelskanäle über Hongkong und Südostasien an Bedeutung verloren haben. Die Importkonzentration (HHI) ist auf ein besorgniserregendes Niveau gestiegen.

  3. Strukturelle Anpassung: Die EU-Produktion zeigt eine Verschiebung zu höheren Stückzahlen bei sinkendem Wert pro Einheit. Innerhalb der EU haben sich die Niederlande als wichtigster Knotenpunkt etabliert, während Deutschland seine Exportposition stark verloren hat. Die fallende Handelsintensität und Exportneigung unterstreichen die zunehmende Marginalisierung dieses Segments im internationalen Handel.

Für Marktteilnehmer und politische Entscheidungsträger ergibt sich daraus ein ambivalentes Bild: Einerseits sinkt die strategische Bedeutung des Segments, andererseits wächst die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten – insbesondere aus China – in einem Maße, das aus versorgungspolitischer Sicht beachtet werden sollte.

Erstellt am 2026-08-09. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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