Marktentwicklung: Fernsehempfangsgeräte für mehrfarbiges Bild, auch mit eingebautem Rundfunkempfangsgerät oder Tonaufzeichnungsgerät, Bildaufzeichnungsgerät oder Bildwiedergabegerät, der Beschaffenheit nach für den Einbau eines Videobildschirms hergerichtet (CN 852872) — 2015–2025
Einführung
Der Markt für Fernsehempfangsgeräte (CN 852872) innerhalb der Europäischen Union hat sich im Zeitraum von 2015 bis 2025 grundlegend verändert. Sowohl der Export- als auch der Importwert sind um mehr als ein Drittel gesunken, während sich die Handelspartnerstruktur und die regionale Produktionslandschaft erheblich verschoben haben. Diese Entwicklungen spiegeln technologische Umbrüche (der Übergang von Plasma und Bildröhren zu LCD- und OLED-Technologien), geopolitische Veränderungen (insbesondere der Brexit) sowie die globale Neuausrichtung von Lieferketten wider. Die EU blieb über den gesamten Zeitraum Nettoexporteur, doch das Handelsbilanzplus schrumpfte von rund 1,6 Mrd. EUR im Jahr 2015 auf etwa 1,0 Mrd. EUR im Jahr 2025. Parallel dazu stieg die inländische Produktion in Stückzahlen und Werten — ein Indiz für eine zunehmende Fokussierung auf Hochpreissegmente.
Übersicht der Handelsentwicklung
1. Strukturelle Kontraktion des Handels und fundamentale Umkehr der Importabhängigkeit
1.1 Exporte und Importe sind über den gesamten Zeitraum kontinuierlich gesunken
Die EU-Ausfuhren von Fernsehempfangsgeräten sanken von 2,93 Mrd. EUR (2015) auf 1,90 Mrd. EUR (2025), was einem Rückgang von 35,3 % entspricht. Die exportierte Menge fiel im selben Zeitraum von 106.948 auf 80.416 Tonnen (−24,8 %). Auch die durchschnittlichen Exportpreise gingen um 14,0 % zurück — von 27.418 EUR/t auf 23.582 EUR/t — was auf eine Verlagerung hin zu preisgünstigeren Gerätesegmenten hindeutet. Die Einfuhren entwickelten sich parallel: Der Importwert sank von 1,33 Mrd. EUR auf 0,86 Mrd. EUR (−35,5 %), die importierte Menge von 62.211 auf 45.807 Tonnen (−26,4 %).
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert (Mrd. EUR) | 2,93 | 1,90 | −35,3 % |
| Exportmenge (t) | 106.948 | 80.416 | −24,8 % |
| Importwert (Mrd. EUR) | 1,33 | 0,86 | −35,5 % |
| Importmenge (t) | 62.211 | 45.807 | −26,4 % |
| Handelsbilanz (Mrd. EUR) | 1,61 | 1,04 | −35,2 % |
Quelle: Handelsentwicklung
1.2 Die EU ist vom Nettoimporteur zum Nettoexporteur geworden
Ein bemerkenswerter Strukturwandel zeigt sich in der Netto-Importabhängigkeit: Lag der Wert 2015 noch bei +14,1 % (die EU importierte mehr als sie exportierte), kehrte sich das Verhältnis um, sodass die EU im Durchschnitt der letzten Jahre eine Nettoexportposition von bis zu −19,4 % erreichte (2023) und zuletzt bei −6,7 % (2024) lag. Diese Entwicklung unterstreicht, dass die inländische Produktion den Binnenbedarf übersteigt — ein deutlicher Indikator für gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit der EU-Fertigung.
| Jahr | Netto-Importabhängigkeit (%) |
|---|---|
| 2015 | +14,1 |
| 2018 | −11,1 |
| 2020 | −12,6 |
| 2023 | −9,9 |
| 2024 | −6,7 |
Quelle: Netto-Importabhängigkeit
1.3 Das Jahr 2022 markiert eine Zäsur: Preis- und Mengenchock nach der Pandemie
Während die Handelswerte in den Jahren 2015–2019 tendenziell leicht rückläufig waren, brachten die Pandemie (2020) und die anschließende Lieferkettenkrise (2021–2022) starke Schwankungen. Die Exporte stiegen 2020 mengenmäßig auf 116.020 Tonnen — den höchsten Wert im gesamten Zeitraum —, was auf Nachholeffekte und Lageraufstockungen zurückzuführen sein dürfte. Ab 2023 setzte dann ein deutlicher Rückgang ein: Die Exportmenge sank auf 84.004 (2023) bzw. 80.416 Tonnen (2025), was auf eine strukturelle Nachfrageabschwächung und möglicherweise auf Verlagerungseffekte hinweist.
2. Umwälzungen in der Handelspartnerstruktur: Brexit, Aufstieg Vietnams und Konzentration
2.1 Die Importseite: Von der türkischen Dominanz zur Diversifizierung
An der Importseite vollzog sich eine dramatische Neugewichtung. Die Türkei war 2015 mit 794 Mio. EUR (59,8 % aller EU-Importe) der mit Abstand wichtigste Lieferant und belieferte die EU mit Fernsehgeräten, die in türkischen Werken großer europäischer Marken (Samsung, LG, Vestel) produziert wurden. Bis 2025 sank der türkische Anteil auf 326 Mio. EUR (−59,0 %). Dieser Rückgang ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen: steigende Produktionskosten in der Türkei, geopolitische Unsicherheiten sowie eine strategische Diversifizierung der Lieferketten.
Gleichzeitig stieg China von 259 Mio. EUR auf 304 Mio. EUR (+17,6 %) und Vietnam von nahezu null (1.435 EUR in 2015) auf 168 Mio. EUR im Jahr 2025 an — ein Anstieg um den Faktor 117.000. Vietnam hat sich damit zu einem der wichtigsten neuen Lieferanten entwickelt und spiegelt die globale Verlagerung der Elektronikfertigung wider. Besonders auffällig ist der sprunghafte Anstieg ab 2023: von 26 Mio. EUR (2023) auf 66 Mio. EUR (2024) und schließlich 168 Mio. EUR (2025).
| Lieferant | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Türkei | 794 | 326 | −59,0 % |
| China | 259 | 304 | +17,6 % |
| Vereinigtes Königreich | 138 | 23 | −83,6 % |
| Vietnam | 0,001 | 168 | +117 Mio. % |
| Südkorea | 92 | 5 | −94,5 % |
| Hongkong | 11,5 | 0,56 | −95,1 % |
Quelle: Wichtigste Handelspartner
2.2 Der Brexit-Effekt: Kollaps des Handels mit dem Vereinigten Königreich
Der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU (formal 31. Januar 2020, faktische Wirkung ab 1. Januar 2021) hatte dramatische Auswirkungen auf den Handel mit Fernsehempfangsgeräten. Die EU-Importe aus dem Vereinigten Königreich sanken von 150 Mio. EUR (2019) auf 41 Mio. EUR (2021) und weiter auf 23 Mio. EUR (2025) — ein Rückgang um 83,6 % im Gesamtzeitraum. Parallel dazu gingen die EU-Exporte in das Vereinigte Königreich von 1,58 Mrd. EUR (2015) auf 0,97 Mrd. EUR (2025) zurück (−38,8 %). Das Vereinigte Königreich blieb zwar der mit Abstand wichtigste Exportmarkt der EU (51,1 % aller Ausfuhren im Jahr 2025), doch die absoluten Werte sanken erheblich.
2.3 Die Exportseite: Stabile Kernmärkte, wachsende Nischen
An der Exportseite dominiert das Vereinigte Königreich mit 969 Mio. EUR (2025), gefolgt von der Schweiz (218 Mio. EUR) und Norwegen (200 Mio. EUR). Bemerkenswert ist das Wachstum in die Ukraine: von 26 Mio. EUR (2015) auf 78 Mio. EUR (2025), was insbesondere auf den Wiederaufbaubedarf nach Beginn des Krieges 2022 zurückzuführen sein dürfte. Israel stieg von 20 Mio. EUR auf 57 Mio. EUR (+181,5 %). Gleichzeitig sanken die Exporte in die Türkei von 400 Mio. EUR auf 121 Mio. EUR (−69,9 %) und nach Marokko von 80 Mio. EUR auf 23 Mio. EUR (−71,2 %).
| Exportpartner | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich | 1.584 | 969 | −38,8 % |
| Schweiz | 312 | 218 | −30,2 % |
| Norwegen | 183 | 200 | +9,5 % |
| Türkei | 400 | 121 | −69,9 % |
| Israel | 20 | 57 | +181,5 % |
| Ukraine | 26 | 78 | +198,9 % |
Quelle: Wichtigste Handelspartner
2.4 Sinkende Konzentration auf beiden Seiten des Handels
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe sank von 4.115 (2015) auf 3.115 (2025, −24,3 %), was eine geringere Konzentration auf wenige Lieferanten bedeutet. Die Importe sind damit weniger anfällig für Störungen einzelner Lieferländer. Auch auf der Exportseite sank der HHI von 3.290 auf 2.950 (−10,3 %). Die Handelspartnerstruktur wird somit breiter und diversifizierter — ein Zeichen für zunehmende Resilienz, aber auch für intensiveren Wettbewerb.
Quelle: Konzentrationsgrad (HHI)
3. Zentralisierung der Produktion in Osteuropa, Preis-Schocks 2021 und Segmentverschiebung
3.1 Die EU-Produktion konzentriert sich in der Slowakei, Polen und Ungarn
Im Jahr 2025 verfügten fünf EU-Mitgliedstaaten über einen signifikanten Spezialisierungsindex (RSCA > 0,6) für Fernsehempfangsgeräte:
| Land | RCA | RSCA | Anteil an EU-Produktion |
|---|---|---|---|
| Slowakei | 12,30 | 0,850 | 26,0 % |
| Polen | 5,32 | 0,683 | 35,3 % |
| Ungarn | 5,48 | 0,691 | 14,7 % |
| Lettland | 5,58 | 0,696 | 1,9 % |
| Slowenien | 5,06 | 0,670 | 5,1 % |
Die Slowakei und Polen allein produzieren über 61 % der gesamten EU-Produktion. Dies spiegelt die Ansiedlung großer Produktionsstätten internationaler Hersteller (Samsung in der Slowakei, LG und TPV in Polen) wider. Deutschland, Frankreich und Italien — traditionelle große Volkswirtschaften — weisen dagegen stark negative Spezialisierungsindizes auf (RSCA < −0,8), was bedeutet, dass sie Nettoimporteure in diesem Segment sind.
Die EU-Gesamtproduktion stieg mengenmäßig von 19,2 Mio. Stück (2003) auf 25,7 Mio. Stück (2024, +34,1 %), wertmäßig von 5,06 Mrd. EUR auf 7,80 Mrd. EUR (+54,2 %). Der höhere Wertzuwachs gegenüber der Mengenentwicklung zeigt steigende durchschnittliche Produktionspreise — ein Hinweis auf die Verschiebung zu hochwertigeren Geräten (z. B. OLED, 4K/8K).
Quelle: Spezialisierung, Produktionsvolumen
3.2 Preis-Schocks 2021: Pandemiebedingte Lieferkettenstörungen
Im Jahr 2021 wurden zwei signifikante Preis-Schocks bei den EU-Importen identifiziert:
- China: Die Importpreise stiegen um 42,5 % gegenüber dem Vorjahresdurchschnitt (von 12.947 EUR/t auf 18.455 EUR/t), bei gleichbleibender Menge. Der Abnormalitätswert betrug 42,9. China hatte damals einen Anteil von 34,4 % am Importwert.
- Türkei: Die Importpreise stiegen um 37,6 % (von 16.812 EUR/t auf 23.132 EUR/t), bei gleichzeitigem Rückgang der Menge um 19,2 %. Der Abnormalitätswert betrug 20,2, bei einem Importanteil von 65,6 %.
Diese Schocks sind konsistent mit den globalen Halbleiterknappheiten und den gestiegenen Transportkosten im Zuge der COVID-19-Pandemie. Bemerkenswert ist, dass sich die türkischen Importe nach dem Schock nicht erholten: Die Menge sank von 27.493 t (2021) auf 25.633 t (2022) und weiter auf 18.326 t (2025), was auf eine dauerhafte Verlagerung der Beschaffung hindeutet.
Auch auf der Exportseite wurden moderate Preisschocks festgestellt: Die Exportpreise in das Vereinigten Königreich stiegen 2021 um 12,1 %, die nach Norwegen um 10,5 %.
Quelle: Preis-Schock-Ereignisse, Volatilität
3.3 Segmentverschiebung: LCD dominiert, Plasma und Bildröhren verschwinden
Die Aufschlüsselung nach Unterpositionen zeigt eine klare technologische Verlagerung. LCD-Fernsehgeräte (85287240) dominieren sowohl bei Importen als auch bei Exporten mit großem Abstand:
Importe nach Segment (2025, Menge in t):
| Segment | Menge (t) | Anteil |
|---|---|---|
| 85287240 — LCD-Bildschirm | 21.921 | 47,9 % |
| 85287280 — Sonstige (OLED etc.) | 11.720 | 25,6 % |
| 85287220 — Mit Videoaufnahmegerät | 11.652 | 25,4 % |
| 85287210 — Projektionsfernsehgeräte | 407 | 0,9 % |
| 85287260 — Plasma-Bildschirm | 60 | 0,1 % |
| 85287230 — Bildröhre (CRT) | 42 | 0,1 % |
Exporte nach Segment (2025, Menge in t):
| Segment | Menge (t) | Anteil |
|---|---|---|
| 85287240 — LCD-Bildschirm | 38.390 | 47,7 % |
| 85287220 — Mit Videoaufnahmegerät | 31.643 | 39,3 % |
| 85287280 — Sonstige (OLED etc.) | 9.384 | 11,7 % |
| 85287210 — Projektionsfernsehgeräte | 475 | 0,6 % |
| 85287230 — Bildröhre (CRT) | 413 | 0,5 % |
| 85287260 — Plasma-Bildschirm | 112 | 0,1 % |
Plasma-Bildschirme und klassische Bildröhrenfernseher sind nahezu vollständig vom Markt verschwunden. Die Kategorie „Sonstige" (85287280), die unter anderem OLED-Geräte umfasst, gewinnt hingegen sowohl bei Importen als auch bei Exporten kontinuierlich an Bedeutung. Bemerkenswert ist der rapide Anstieg der Exporte in die Kategorie „Mit eingebautem Videoaufnahmegerät" (85287220): von 3.456 t (2015) auf 31.643 t (2025), was auf Smart-TV-Funktionen mit integrierter Aufzeichnungskapazität zurückzuführen sein dürfte.
Quelle: Produktsegmentvergleich
Schlussbetrachtung
Der EU-Markt für Fernsehempfangsgeräte (CN 852872) befindet sich in einer Phase der strukturellen Transformation. Die drei zentralen Dynamiken des Zeitraums 2015–2025 lassen sich wie folgt zusammenfassen:
-
Handelskontraktion: Sowohl Import- als auch Exportwerte sind um mehr als ein Drittel gesunken, getrieben von einer Reifung des Marktes, technologischen Substitutionseffekten (Streaming auf mobilen Geräten) und steigender inländischer Wertschöpfung. Die EU ist dabei von einer Nettoimport- in eine Nettoexportposition gewechselt, was auf eine gestärkte Produktionsbasis — insbesondere in der Slowakei, Polen und Ungarn — hindeutet.
-
Geopolitische Neuausrichtung der Lieferketten: Der Brexit hat den Handelsfluss mit dem Vereinigten Königreich drastisch reduziert, während die Türkei als führender Importeur an Boden verloren hat. Gleichzeitig ist Vietnam zu einem der wichtigsten neuen Lieferanten aufgestiegen, was die globale Diversifizierung der Elektronikfertigung widerspiegelt. Die Konzentration des Handels (gemessen am HHI) ist auf beiden Seiten gesunken — ein Zeichen zunehmender Resilienz.
-
Technologische Segmentverschiebung: Die Ära der Plasma- und CRT-Fernseher ist endgültig vorbei. LCD-Geräte dominieren mit rund 48 % der Handelsmengen, während die Kategorie der „Sonstigen" Geräte (v. a. OLED) stetig wächst. Die Preisschocks des Jahres 2021 verdeutlichten die Anfälligkeit der Lieferketten, führten jedoch zu keiner dauerhaften Destabilisierung. Vielmehr scheinen die Schocks eine Beschleunigung der bereits eingeleiteten Diversifizierung bewirkt zu haben.
Die weitere Entwicklung wird maßgeblich davon abhängen, ob die EU ihre Produktionsbasis in Mittel- und Osteuropa ausbauen kann, wie sich die Nachfrage im Zuge des technologischen Wandels (8K, MicroLED, Integration von KI-Funktionen) entwickelt und ob geopolitische Spannungen — etwa im Verhältnis zu China oder der Türkei — die Lieferketten erneut belasten.