Marktentwicklung: Fahrgastschiffe (CN 890110) — 2015–2025
Einführung
Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union für die Warennummer (CN) 890110, die Fahrgast- und Kreuzfahrtschiffe sowie Fähren umfasst. Im Zeitraum von 2015 bis 2025 zeigt der EU-Handel mit Nicht-EU-Ländern eine bemerkenswerte Entwicklung: Während die exportierte Menge drastisch gesunken ist, ist der Exportwert erheblich gestiegen. Dies weist auf eine fundamentale Umstrukturierung des Marktes hin, die durch eine Konzentration auf hochwertige Schiffskategorien, geopolitische Verschiebungen und eine hohe Volatilität gekennzeichnet ist.
Mehr zum Produkt und dem Umfang der Daten
1. Schwankende Nachfrage und starke Aufwertung der Handelsströme
Der EU-Außenhandel mit Schiffen zur Personenbeförderung war durch eine hohe Volatilität bei den Handelsmengen gekennzeichnet, gepaart mit einem deutlichen Trend zur Aufwertung der gehandelten Güter.
Der Exportboom bei sinkender Menge
Die EU exportierte im Jahr 2025 nur noch eine geringe Menge an Schiffen im Vergleich zu 2015. Die exportierte Menge sank um 98,9 % (von 27.054 Einheiten auf 309). Gleichzeitig stieg der Exportwert um 275,5 % (von ca. 2,76 Mrd. € auf ca. 10,35 Mrd. €) an. Diese Gegenläufigkeit spiegelt eine massive Verschiebung hin zu hochpreisigen, technologisch anspruchsvolleren Schiffen wider.
| Indikator | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert (Mrd. €) | 2,76 | 10,35 | +275,5 % |
| Exportmenge (Einheiten) | 27.054 | 309 | -98,9 % |
| Exportpreis (€/Einheit) | 5.300 | 15.116 | +185,2 % |
Entwicklung von Exportwert und -menge
Unbeständige Importnachfrage mit Preisexplosion
Die Importentwicklung ist ebenfalls stark schwankend. Der Importwert fiel von 570 Mio. € (2015) auf 438 Mio. € (2025), was einem Rückgang von 23,3 % entspricht. Die importierte Menge sank sogar um 52,2 %. Bemerkenswert ist jedoch der Anstieg des durchschnittlichen Importpreises um 1.343 % (von 2.391 €/Einheit auf 34.498 €/Einheit). Dies zeigt, dass auch die EU in zunehmendem Maße hochpreisige, vermutlich Spezialschiffe importiert.
2. Geopolitische Neuausrichtung der Handelsströme und hohe Konzentration
Die traditionellen Handelspartnerschaften im Schiffbau haben sich im betrachteten Zeitraum teilweise drastisch verschoben, was zu einer veränderten Konzentration des Marktes führte.
Verschiebung bei den wichtigsten Exportmärkten
Die Schweiz entwickelte sich zum mit Abstand wichtigsten Exportpartner der EU. Die Exporte in die Schweiz stiegen von 1,3 Mio. € (2015) auf über 1,58 Mrd. € (2025). Der Handel mit dem Vereinigten Königreich war äußerst volatil und erreichte 2018 mit 1,58 Mrd. € einen Höhepunkt. Traditionelle Partner wie Kanada und Norwegen verloren an Bedeutung.
| Partnerland | Exportwert 2015 (Mio. €) | Exportwert 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Schweiz | 1,34 | 1.578,05 | +117.249 % |
| Vereinigtes Königreich | 28,95 | 118,87 | +310,6 % |
| Norwegen | 61,98 | 4,82 | -92,2 % |
| Kanada | 121,66 | 1,97 | -98,4 % |
Neue Schlüsselrolle der Türkei bei Importen
Bei den Importen in die EU ist die Türkei zu einem der führenden Partner aufgestiegen. Die Importe aus der Türkei verzeichneten ein extremes Wachstum von 1,9 Mio. € (2015) auf 148,7 Mio. € (2025). Gleichzeitig sanken die Importe aus traditionell wichtigen Lieferländern wie Italien (von 303 Mio. € auf 1,7 Mio. €) und Malta (von 345 Mio. € auf 9,4 Mio. €) drastisch.
Veränderte Konzentration des Marktes (HHI)
Die Marktkonzentration bei den Exporten war hoch, nahm aber im Zeitverlauf leicht ab. Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Exporte sank von 6.913 (2015) auf 4.659 (2025), was eine geringfügig diversifiziertere Partnerstruktur anzeigt. Die Konzentration bei den Importen schwankte stärker, war aber generell niedriger.
Entwicklung der Marktkonzentration (HHI)
3. Marktstruktur unter Druck: Spezialisierung, Schocks und Volatilität
Der Markt für Passagierschiffe ist von einer klaren Spezialisierung einiger EU-Länder sowie von erheblichen externen Schocks geprägt, die zu hoher Volatilität führen.
Klare Spezialisierung innerhalb der EU
Die Analyse der komparativen Vorteile (RSCA) zeigt eine starke Spezialisierung einzelner EU-Staaten im Schiffbau. Italien, Frankreich und Rumänien wiesen 2025 positive Spezialisierungsindizes auf und besaßen damit einen komparativen Vorteil in der Produktion von Passagierschiffen. Im Gegensatz dazu waren Länder wie Deutschland, die Niederlande und Polen trotz ihrer großen Exportwerte nicht auf dieses Segment spezialisiert.
Länder nach Spezialisierung im Schiffbau
Erhebliche Preis- und Angebotsschocks
Der Zeitraum war durch mehrere massive Handelsschocks gekennzeichnet. Ein extremes Beispiel war der fast vollständige Angebotsschock bei Importen aus der Türkei im Jahr 2018, bei dem die Menge um 99,9 % einbrach. Ebenso kam es zu starken Preisschocks, wie bei Exporten in das Vereinigte Königreich im Jahr 2018 (Preisexplosion um 401,9 %) oder nach Norwegen im Jahr 2020 (Preisanstieg um 1.236,7 %). Diese Schocks erklären die extreme Volatilität der Handelsvolumina.
| Schockereignis | Typ | Jahr | Veränderung | Anteil am Wert |
|---|---|---|---|---|
| Exporte nach UK | Preis | 2018 | +401,9 % | 26,0 % |
| Importe aus Türkei | Angebot | 2018 | -99,9 % | 21,6 % |
| Exporte nach Norwegen | Preis | 2020 | +1.236,7 % | 7,0 % |
Hohe Volatilität in den Handelsbeziehungen
Die Volatilität, gemessen am Variationskoeffizienten (CV), war bei vielen Handelspartnern sehr hoch (CV > 1), sowohl bei Importen als auch bei Exporten. Besonders volatil waren die Handelsbeziehungen mit dem Vereinigten Königreich, Norwegen und der Türkei. Dies unterstreicht die projectbasierte und von Großaufträgen abhängige Natur der Schiffbauindustrie.
Schlussfolgerung
Der EU-Markt für Fahrgast- und Kreuzfahrtschiffe (CN 890110) hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend gewandelt. Der Trend geht klar weg vom Handel mit einer hohen Anzahl von Einheiten hin zum Handel mit einer geringen Anzahl hochwertiger, teurer Schiffe. Geopolitisch haben sich die Handelsströme neu ausgerichtet, wobei die Schweiz zum zentralen Exportmarkt und die Türkei zu einem wichtigen Importeur aufstiegen.
Der Markt ist weiterhin durch eine hohe Volatilität und projektbezogene Großaufträge gekennzeichnet, was zu erheblichen jährlichen Schwankungen führt. Die EU-Länder weisen eine unterschiedliche Spezialisierung auf, wobei Italien, Frankreich und Rumänien als Spezialisten im Schiffbau herausragen. Die Zukunft des Marktes wird von der Fähigkeit der EU-Werften abhängen, im Segment der hochspezialisierten und wertschöpfungsstarken Passagierschiffe wettbewerbsfähig zu bleiben.