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Marktentwicklung: Damenmäntel aus Chemiefasern (CN 62024010) — 2015–2025

Einführung

Der Zolltarif CN 62024010 umfasst Mäntel, Anoraks, Windjacken und ähnliche Oberbekleidung für Frauen oder Mädchen aus Chemiefasern mit einem Einzelgewicht von höchstens 1 kg. Der Zeitraum 2022–2025 war von einer bemerkenswerten Strukturveränderung geprägt: Während die EU-Importe deutlich an Wert verloren, stiegen die Exportpreise kräftig an. Der Handelsbilanzdefizit verbesserte sich um 44 %, und die Importabhängigkeit sank von rund 82 % auf unter 68 %. Dieser Bericht analysiert die zugrundeliegenden Dynamiken entlang dreier zentraler Erkenntnisse.


1. Vom chinesischen Monopol zur Diversifizierung: Umbruch bei den Importquellen

China verliert Marktanteile, Südostasien gewinnt

Die mit Abstand wichtigste Veränderung auf der Importseite ist der Rückgang der chinesischen Lieferungen. Die Importe aus China sanken von 1.679 Mrd. EUR auf 1.068 Mrd. EUR – ein Rückgang um 36,4 %. China bleibt zwar der größte Einzellieferant, sein Anteil an den EU-Importen ist jedoch erheblich geschrumpft. Besonders auffällig ist der Aufstieg Kambodschas: Die Importe stiegen von 59 Mio. EUR auf 149 Mio. EUR – eine Steigerung um 151,8 %.

Myanmar und Bangladesch: Gegenläufige Entwicklungen

Myanmar, das zeitweise der zweitgrößte Lieferant war, verlor fast die Hälfte seines Exportwerts in die EU (von 477 Mio. EUR auf 251 Mio. EUR, -47,5 %). Bangladesch hingegen konnte seine Position mit einem leichten Plus von 5,4 % stabilisieren und überholte Myanmar. Vietnam blieb mit rund 310 Mio. EUR weitgehend stabil (−4,1 %).

Sinkende Konzentration als Strukturindikator

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert sank von 3.383 auf 2.539 – ein Rückgang um 24,9 %. Dies belegt eine messbare Diversifizierung der Lieferketten: Die EU bezieht Damenmäntel aus Chemiefasern zunehmend aus einer breiteren Palette von Herkunftsländern, was die Anfälligkeit gegenüber Störungen in einzelnen Lieferländern reduziert.

Herkunftsland Importwert 2022 (Mio. EUR) Importwert 2025 (Mio. EUR) Veränderung
China 1.679 1.068 −36,4 %
Myanmar 477 251 −47,5 %
Vietnam 323 310 −4,1 %
Bangladesch 266 280 +5,4 %
Kambodscha 59 149 +151,8 %
Türkei 27 30 +13,7 %
Marokko 35 35 −0,8 %

Quelle: Top-Handelspartner nach Wert


2. Wert vor Menge: Die EU verschiebt sich in Richtung Premiumsegment

Steigende Exportpreise trotz fallender Volumina

Ein zentrales Muster der betrachteten Periode ist die Diskontinuität zwischen Mengen- und Wertentwicklung. Die EU-Exporte verloren mengenmäßig 11,9 % (von 10.303 t auf 9.073 t) und sogar 18,5 % an Stückzahl (von 18,6 Mio. auf 15,2 Mio. Stück), gewannen aber gleichzeitig 16,9 % an Wert (von 1,04 Mrd. EUR auf 1,22 Mrd. EUR). Der Exportpreis pro Stück stieg um beachtliche 43,3 % (von 55,95 EUR auf 80,18 EUR).

Importe: Gegenläufige Preis- und Mengenentwicklung

Auch auf der Importseite sanken sowohl das Volumen (−10,3 %) als auch der Wert (−23,7 %) und der Preis pro Tonne (−15,0 %). Die EU importierte also weniger Mäntel zu niedrigeren Stückpreisen. Der durchschnittliche Importpreis pro Stück lag 2025 bei nur 13,96 EUR – gegenüber 15,58 EUR zu Beginn des Zeitraums –, was auf eine Verlagerung hin zu günstigeren Produktionsstandorten und einfacheren Qualitäten hindeuten könnte.

Italien als Exportmotor

Innerhalb der EU sticht Italien als größter Exporteur hervor: Die Exporte stiegen von 464 Mio. EUR auf 650 Mio. EUR (+39,9 %). Italien profitiert offensichtlich von der Nachfrage nach hochwertiger Damenoberbekleidung und konnte seine Exportpreise deutlich steigern. Deutschland blieb als zweitgrößter Exporteur stabil bei rund 206 Mio. EUR, während Spanien mit einem Rückgang von 30,3 % an Boden verlor.

Kennzahl Exporte Importe
Wertveränderung +16,9 % −23,7 %
Mengenveränderung (Tonnen) −11,9 % −10,3 %
Preisveränderung (pro Tonne) +32,7 % −15,0 %
Preisveränderung (pro Stück) +43,3 % −10,4 %

Quelle: Allgemeine Übersicht


3. Sinkende Importabhängigkeit, steigende Exportorientierung

Das Handelsbilanzdefizit schrumpft deutlich

Der EU-Außenhandel mit Damenmänteln aus Chemiefasern weist traditionell ein erhebliches Defizit auf. Dieses verbesserte sich jedoch merklich: von −2,05 Mrd. EUR auf −1,14 Mrd. EUR (+44,2 %). Die wichtigsten Treiber sind der Rückgang der Importe (−23,7 %) bei gleichzeitigem Anstieg der Exporte (+16,9 %).

Nettorelianz auf Drittländer sinkt

Die Netto-Importabhängigkeit sank von 81,5 % auf 67,4 % (−17,3 Prozentpunkte). Dies ist bemerkenswert: Obwohl die EU nach wie vor stark von Drittlandslieferungen abhängig ist, hat sich die Abhängigkeit substanziell verringert. Die heimische Produktion blieb dabei weitgehend stabil bei rund 13,7 Mio. Stück bzw. 581 Mio. EUR (Produktionsvolumen).

Exportpropensität und Handelsintensität steigen

Zwei weitere Indikatoren untermauern die zunehmende Exportorientierung: Die Exportpropensität stieg von 432 % auf 488 % (+13,1 %), die Handelsintensität von 134 % auf 149 % (+11,0 %). Die EU wird im Segment der Damenmäntel aus Chemiefasern also sowohl im Export als auch im Gesamthandel aktiver – ein Zeichen für die Internationalisierung europäischer Modemarken und die Attraktivität europäischer Produkte auf Drittmärkten.

Spezialisierung innerhalb der EU

Laut Spezialisierungsindizes weisen Dänemark (RSCA: 0,43), Polen (0,39) und Rumänien (0,33) die höchste Exportspezialisierung auf. Italien (0,19) und Spanien (0,27) bestätigen ihre Rolle als traditionelle Bekleidungsexporteure. Polen nimmt hier eine besondere Stellung ein: Es ist sowohl ein bedeutender Produzent (15,1 % der EU-Produktion) als auch ein hochspezialisierter Exporteur.

Land RSCA (2025) Anteil an EU-Produktion
Dänemark 0,43 4,3 %
Polen 0,39 15,1 %
Rumänien 0,33 3,3 %
Spanien 0,27 10,0 %
Italien 0,19 11,7 %

Quelle: Spezialisierung der EU-Mitgliedstaaten


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für Damenmäntel aus Chemiefasern (CN 62024010) durchlebt zwischen 2022 und 2025 einen bemerkenswerten Strukturwandel. Drei Entwicklungen stehen im Vordergrund:

Erstens vollzieht sich eine deutliche Diversifizierung der Lieferketten. China verliert zwar seinen dominanten Status, bleibt aber größter Einzellieferant. Kambodscha und Bangladesch gewinnen an Bedeutung, während Myanmar an Boden verliert. Die sinkende HHI-Konzentration belegt diese Verbreiterung quantitativ.

Zweitens verschiebt sich die EU in Richtung eines höherwertigen Handelsprofils. Exportpreise steigen deutlich stärker als die Mengen, während die Importe sowohl mengen- als auch preisseitig nachgeben. Italien verkörpert diesen Trend als Exporteur mit stark steigenden Werten.

Drittens verringert sich die strukturelle Abhängigkeit von Drittlandslieferungen. Die Netto-Importabhängigkeit sank um über 17 Prozentpunkte, und die Exportorientierung nahm spürbar zu. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die EU autark wird – die Importabhängigkeit von 67 % bleibt hoch, und die heimische Produktion stagniert. Vielmehr deutet die Entwicklung auf eine qualitative Neupositionierung hin: weniger, aber teurer exportieren; günstiger, aber in geringerem Umfang importieren.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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