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Marktentwicklung: Angel- und Jagdgeräte (CN 9507) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarifcode 9507 umfasst Angelruten, Angelhaken, Angelrollen sowie sonstiges Angelgerät, Handnetze, Schmetterlingsnetze und ähnliche Netze sowie Lockgeräte und ähnliche Jagdgeräte. Diese Position wird unter dem übergeordneten Kapitel 95 (Spielzeug, Spiele, Unterhaltungsartikel und Sportgeräte) geführt und lässt sich in vier Unterpositionen gliedern: Angelruten (950710), Angelhaken mit Vorfach (950720), Angelrollen (950730) sowie sonstiges Angel- und Jagdgerät (950790).

Im Zeitraum von 2015 bis 2025 hat sich der EU-Außenhandel mit diesen Produkten grundlegend gewandelt. Der Handelsbilanzdefizit vertiefte sich von rund 289 Mio. EUR auf 388 Mio. EUR, die Importabhängigkeit stieg von 49 % auf 82 %, und die inländische Produktion fiel um über die Hälfte. Gleichzeitig veränderten geopolitische Ereignisse — insbesondere der Brexit und die Sanktionen gegen Russland — die Handelsströme nachhaltig. Der vorliegende Bericht analysiert die wichtigsten Dynamiken anhand der verfügbaren Daten.

(Quelle: Gesamtübersicht)


1. Strukturelle Verschiebung: Wachsende Importabhängigkeit bei schrumpfender EU-Produktion

1.1 Die EU-Produktion ist um mehr als die Hälfte eingebrochen

Der gravierendste strukturelle Befund betrifft die inländische Produktion. Der Produktionswert sank von 155,3 Mio. EUR im ersten Beobachtungsjahr auf nur noch 70,0 Mio. EUR im letzten Jahr — ein Rückgang von 54,9 %. Dieser Einbruch legt nahe, dass ein erheblicher Teil der europäischen Fertigung von Angel- und Jagdgeräten in diesem Zeitraum aufgegeben oder ins Ausland verlagert wurde.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Produktionswert (EUR) 155.306.693 70.000.000 −54,9 %

(Quelle: Produktionsvolumen)

1.2 Die Importe wuchsen deutlich stärker als die Exporte

Die EU-Importe von Angel- und Jagdgeräten stiegen von 408,8 Mio. EUR auf 520,4 Mio. EUR (+27,3 %). Demgegenüber wuchsen die Exporte lediglich von 120,0 Mio. EUR auf 132,8 Mio. EUR (+10,6 %). Der Handelsbilanzdefizit vertiefte sich dementsprechend von −288,8 Mio. EUR auf −387,6 Mio. EUR — eine Verschlechterung um 34,2 %.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
EU-Importe (EUR) 408.769.043 520.370.128 +27,3 %
EU-Exporte (EUR) 119.994.760 132.767.752 +10,6 %
Handelsbilanz (EUR) −288.774.283 −387.602.376 −34,2 %

Bemerkenswert ist, dass die Importmengen (+12,4 % von 19.734 t auf 22.178 t) hinter dem Wertwachstum zurückblieben, was auf steigende durchschnittliche Einfuhrpreise hinweist. Bei den Exporten hingegen sank das Volumen sogar um 10,0 % (von 4.299 t auf 3.869 t), während der Wert stieg — ein deutliches Signal für eine qualitative Aufwertung der Ausfuhren.

(Quelle: Gesamtübersicht)

1.3 Die Netto-Importabhängigkeit hat sich nahezu verdoppelt

Der Indikator der Netto-Importabhängigkeit (net import reliance) stieg von 48,7 % auf 82,1 % — eine Zunahme um 68,6 Prozentpunkte (relativ). Dies bedeutet, dass die EU im Jahr 2025 für über vier Fünftel ihres Bedarfs an Angel- und Jagdgeräten auf Importe angewiesen war. Parallel dazu stieg die Exportquote (export propensity) bezogen auf die Produktion von 65,2 % auf 191,6 % — ein Indikator dafür, dass die EU-Exporte mittlerweile das Doppelte der inländischen Produktion übersteigen, was auf Re-Exporte und Handelsaktivitäten hindeutet.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Netto-Importabhängigkeit (%) 48,7 82,1 +68,6 % (rel.)
Handelsintensität (%) 86,6 112,2 +29,6 %
Exportquote (%) 65,2 191,6 +194,0 %

(Quelle: Netto-Importabhängigkeit, Handelsintensität, Exportquote)

1.4 China festigt seine Vormachtstellung als Lieferant

China war und bleibt der mit Abstand wichtigste Lieferant der EU. Die Einfuhren aus China stiegen von 253,4 Mio. EUR auf 351,0 Mio. EUR (+38,5 %). Der chinesische Anteil an den Gesamteinfuhren erhöhte sich damit von rund 62 % auf rund 67 %. Die Konzentration der Importe, gemessen am Herfindahl-Hirschman-Index (HHI), nahm von 4.021 auf 4.828 zu (+20,1 %), was auf eine weniger diversifizierte und stärker auf China ausgerichtete Lieferbasis hindeutet.

Lieferant 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
China 253.428.223 351.010.894 +38,5 %
Japan 29.254.063 51.110.137 +74,7 %
Malaysia 22.149.857 24.590.754 +11,0 %
Vietnam 3.280.064 19.859.420 +505,5 %
Vereinigtes Königreich 30.580.396 10.127.903 −66,9 %
USA 18.952.372 11.321.380 −40,3 %
Indien 3.220.701 2.519.015 −21,8 %

Auffällig ist der dramatische Aufstieg Vietnams als Lieferant: von nur 3,3 Mio. EUR im Jahr 2015 auf 19,9 Mio. EUR im Jahr 2025 — eine Steigerung um 505,5 %. Japan vergrößerte seine Lieferungen ebenfalls deutlich (+74,7 %). Diese Dynamik könnte auf eine Diversifizierungsstrategie asiatischer Hersteller hindeuten, die über China hinaus neue Produktionsstandorte in Südostasien und Japan aufbauen.

(Quelle: Handelspartner, Konzentration HHI)


2. Steigende Preise und qualitative Aufwertung des Handels

2.1 Die durchschnittlichen Handelspreise sind über alle Ströme gestiegen

Sowohl bei Importen als auch bei Exporten sind die durchschnittlichen Preise pro Tonne spürbar gestiegen. Die Importpreise erhöhten sich von 20.713 EUR/t auf 23.461 EUR/t (+13,3 %), die Exportpreise von 27.910 EUR/t auf 34.272 EUR/t (+22,8 %). Dieser divergierende Preisanstieg — Exportpreise wuchsen deutlich schneller als Importpreise — deutet darauf hin, dass die EU zunehmend hochwertigere Produkte exportiert oder dass europäische Hersteller ihre Preisgestaltungskraft verbessert haben.

Kennzahl 2015 (EUR/t) 2025 (EUR/t) Veränderung
Durchschn. Importpreis 20.713 23.461 +13,3 %
Durchschn. Exportpreis 27.910 34.272 +22,8 %

(Quelle: Gesamtübersicht)

2.2 Segmentanalyse: Sonstiges Angel- und Jagdgerät dominiert den Handel

Die Unterposition 950790 (sonstiges Angel- und Jagdgerät) ist sowohl bei Importen als auch bei Exporten das mit Abstand größte Segment. Sie machte 2025 rund 41 % der Importe (211,8 Mio. EUR) und 57 % der Exporte (76,2 Mio. EUR) aus. Die Unterpositionen 950710 (Angelruten) und 950730 (Angelrollen) sind ebenfalls bedeutende Importkategorien.

Importe nach Segment (Mio. EUR):

Segment 2015 2025 Veränderung
950790 – Sonstiges Angel-/Jagdgerät 151,8 211,8 +39,5 %
950710 – Angelruten 117,7 149,6 +27,2 %
950730 – Angelrollen 107,6 117,7 +9,4 %
950720 – Angelhaken 31,7 41,2 +30,3 %

Exporte nach Segment (Mio. EUR):

Segment 2015 2025 Veränderung
950790 – Sonstiges Angel-/Jagdgerät 69,3 76,2 +10,1 %
950730 – Angelrollen 19,0 22,9 +21,0 %
950710 – Angelruten 17,0 19,6 +15,2 %
950720 – Angelhaken 14,8 14,0 −5,2 %

Besonders auffällig ist der Exportpreisanstieg bei Angelruten (950710): von 33.960 EUR/t auf 75.688 EUR/t (+122,9 %). Dies deutet auf eine starke qualitative Aufwertung der europäischen Angelrutenproduktion hin — die EU exportiert offenbar zunehmend Premiumprodukte in diesem Segment. Ähnlich stark stiegen die Exportpreise bei Angelhaken (950720) von 30.637 EUR/t auf 52.323 EUR/t (+70,8 %).

(Quelle: Produktsegmente)

2.3 Polen entwickelt sich zur neuen europäischen Handelsdrehscheibe

Innerhalb der EU zeigt sich ein bemerkenswerter Strukturwandel bei den einzelnen Mitgliedstaaten. Polen hat sich sowohl bei Importen als auch bei Exporten zur dynamischsten Volkswirtschaft entwickelt:

Mitgliedstaat 2015 Importe (EUR) 2025 Importe (EUR) Veränderung
Frankreich 74.219.727 106.055.615 +42,9 %
Polen 15.060.749 70.106.443 +365,5 %
Niederlande 71.015.382 65.567.502 −7,7 %
Deutschland 74.663.139 45.873.752 −38,6 %
Mitgliedstaat 2015 Exporte (EUR) 2025 Exporte (EUR) Veränderung
Estland 23.174.330 26.562.027 +14,6 %
Frankreich 19.470.440 18.331.254 −5,9 %
Polen 3.935.443 13.145.547 +234,0 %
Spanien 5.750.891 10.819.113 +88,1 %

Polens Importe stiegen um 365,5 % — von 15,1 Mio. EUR auf 70,1 Mio. EUR — und seine Exporte wuchsen um 234,0 %. Polen weist zudem mit einem RSCA-Wert von 0,35 eine relativ hohe Spezialisierung auf und gehört zu den fünf am stärksten spezialisierten EU-Ländern in diesem Produktbereich. Gleichzeitig sanken Deutschlands Importe um 38,6 % und die Exporte um 25,9 %, was auf eine Verschiebung der Handelsaktivitäten nach Osteuropa hindeutet.

(Quelle: EU-Mitgliedstaaten – Importe, Spezialisierung)


3. Geopolitische Schocks und ihre Spuren im Handelsstrom

3.1 Der Brexit hat den Handel mit dem Vereinigten Königreich nachhaltig verändert

Das auffälligste Schockereignis im Untersuchungszeitraum ist die Auswirkung des Brexits auf den Handel mit dem Vereinigten Königreich. Die Einfuhren aus dem VK in die EU brachen von 30,6 Mio. EUR (2015) auf 10,1 Mio. EUR (2025) ein — ein Rückgang um 66,9 %. Die Volatilität dieses Handelsstroms war extrem hoch: der Variationskoeffizient (CV) lag bei 0,81, dem zweithöchsten Wert aller Importpartner (nach Norwegen mit 1,42).

Im Jahr 2021 wurden zwei signifikante Preisschocks im Handel mit dem VK identifiziert:

Schock Richtung Abnormalität Preisänderung Anteil am Gesamtwert
VK Importpreis 2021 Importe 33,7 +151,6 % 7,2 %
VK Exportpreis 2021 Exporte 33,4 +54,8 % 25,0 %

Diese Schocks fallen exakt mit dem Vollzug des Brexit zum 1. Januar 2021 zusammen — neue Zollformalitäten, Regulierungsunterschiede und Lieferkettenunterbrechungen führten zu sprunghaften Preissteigerungen in beide Richtungen.

Gleichzeitig ist der EU-Export in das VK von 21,6 Mio. EUR auf 29,5 Mio. EUR gewachsen (+36,4 %), was darauf hindeutet, dass die EU trotz neuer Handelsbarrieren ihre Position als Lieferant behaupten konnte — möglicherweise weil britische Konsumenten und Händler weiterhin auf europäische Qualitätsspezialitäten angewiesen sind.

(Quelle: Handelspartner, Schockereignisse, Volatilität)

3.2 Russland-Sanktionen haben die EU-Exporte fast zum Erliegen gebracht

Die EU-Exporte in die Russische Föderation sind von 12,5 Mio. EUR (2015) auf nur noch 1,9 Mio. EUR (2025) eingebrochen — ein Rückgang um 85,1 %. Der Variationskoeffizient von 0,59 für diesen Handelsstrom unterstreicht die hohe Instabilität. Der Zusammenbruch fällt mit den nach der Invasion der Ukraine 2022 verschärften Sanktionen zusammen, die den Handel mit Russland erheblich eingeschränkt haben. Russland war 2015 noch einer der wichtigsten Exportmärkte der EU für Angel- und Jagdgeräte; 2025 ist es praktisch bedeutungslos.

3.3 COVID-19 und Lieferkettenstörungen: Ein temporärer Volumeneinbruch

Im Jahr 2022 — geprägt durch die Nachwirkungen der COVID-19-Pandemie und die beginnende Energiekrise — sanken die Importvolumina spürbar. Die Einfuhren fielen von 28.776 t (Maximum) in einem früheren Jahr auf ein Tief von 15.843 t in einem Krisenjahr. Auch bei den Exporten ist 2023 ein Tiefpunkt von 3.812 t zu verzeichnen. Die Algerien-bezogenen Preisschocks im Jahr 2022 (Abnormalität 16,6, Preisänderung +173,6 %) könnten ebenfalls mit den globalen Lieferkettenstörungen und der Energiekrise zusammenhängen.

3.4 Norwegen als volatiler Handelspartner — und Estland als stabiler Exporteur

Norwegen zeigt sowohl bei Importen als auch bei Exporten eine außergewöhnlich hohe Volatilität (CV 1,42 bei Importen). Dies ist vermutlich auf die geringen Handelsvolumina und saisonale Schwankungen im Zusammenhang mit der Fischereiwirtschaft zurückzuführen. Im Gegensatz dazu zeichnet sich Estland als stabiler Exporteur aus: mit Exporten von 23,2 Mio. EUR (2015) auf 26,6 Mio. EUR (2025, +14,6 %) und einer vergleichsweise niedrigen Volatilität. Estland ist der größte EU-Exporteur in diesem Segment, was auf eine Spezialisierung der baltischen Fischereiindustrie und möglicherweise Re-Exportaktivitäten hinweist.


Schlussfolgerung

Die Analyse des EU-Außenhandels mit Angel- und Jagdgeräten (CN 9507) im Zeitraum 2015–2025 offenbart drei zentrale Trends:

Erstens hat sich die EU in diesem Segment zu einer stark importabhängigen Volkswirtschaft entwickelt. Die Netto-Importabhängigkeit stieg auf 82 %, die inländische Produktion halbierte sich, und China kontrolliert mit einem Drittel der EU-Gesamteinfuhren und fast 70 % der Drittlandsimporte den Markt. Diese Konzentration birgt strategische Risiken, insbesondere angesichts wachsender geopolitischer Spannungen.

Zweitens vollzieht sich ein deutlicher Qualitätswandel. Steigende Preise bei sinkenden Volumina — sowohl bei Importen als auch bei Exporten — deuten auf eine Verschiebung hin zu hochwertigeren Produkten. Die EU wird in mehreren Segmenten zu einem Premium-Exporteur, auch wenn das Handelsbilanzdefizit insgesamt wächst. Polens Aufstieg als Handelsdrehscheibe und die Spezialisierung kleinerer Mitgliedstaaten wie Estland und Zypern verändern die innereuropäische Handelsarchitektur.

Drittens haben geopolitische Ereignisse — Brexit, Russland-Sanktionen und die pandemiebedingten Lieferkettenstörungen — die Handelsströme nachhaltig umgezeichnet. Der Handel mit dem VK und Russland ist eingebrochen, während neue Handelspartner wie Vietnam und Japan an Bedeutung gewinnen. Diese Entwicklungen unterstreichen die Notwendigkeit einer strategischen Diversifizierung der Lieferketten und einer Stärkung der europäischen Produktionsbasis für Sport- und Freizeitgeräte.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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